Blog Post

A resistible currency war

In this op-ed, Jean Pisani-Ferry captures a current hot topic of the financial world – “currency wars”. What thus far has simply looked like a familiar bilateral US-China dispute over the exchange rate of the renminbi has indeed turned into a generalised controversy over capital flows and exchange rates that involves most advanced and emerging […]

By: Date: October 10, 2010 Topic: Global Economics & Governance

In this op-ed, Jean Pisani-Ferry captures a current hot topic of the financial world – “currency wars”. What thus far has simply looked like a familiar bilateral US-China dispute over the exchange rate of the renminbi has indeed turned into a generalised controversy over capital flows and exchange rates that involves most advanced and emerging countries. On the face of it every country seems to be aiming at a depreciation of its currency and only the euro area seems to buck the trend, but even it cannot be indifferent to the risks of appreciation. One of the IMF’s primary tasks is to help solve collective action problems. It did so at the time of the global recession. Now is the moment to do so again.

WÄHRUNGSKRIEG
Ein Waffenstillstand allein hilft uns nicht Die Wechselkurse müssen angepasst werden. Andernfalls kommt es zur Deflation in den Industriestaaten und zur Inflation im Süden.
Guido Mantegua, Brasiliens Finanzminister, hat den Zeitgeist getroffen, als er kürzlich von einem Währungskrieg sprach. Der bekannte Disput über den Wechselkurs des chinesischen Yuans hat sich zu einer Kontroverse ausgewachsen, die fast alle Industrie-und Schwellenländer einbezieht. Sie dominierte auch die IWF-Tagung des vergangenen Wochenendes.
Jedes Land scheint seine Währung abwerten zu wollen, durch Interventionen am Devisenmarkt wie in Japan, die weitere Lockerung der Geldpolitik wie in Großbritannien und den USA oder die Abwehr von Kapitalzuflüssen wie in den Schwellenländern. Nur der Euro widersteht dem Trend; die EZB hat einen Anstieg der Kurzfristzinsen erlaubt. Doch nicht einmal ihr kann das Risiko eines zu starken Euros egal sein, vor allem weil er die wirtschaftliche Anpassung in Spanien, Portugal und Irland erschweren würde.
Doch nicht alle Länder können gleichzeitig eine schwache Währung haben. Eine wichtige Lektion der 30er-Jahre ist, dass internationale Kooperation sinnlose Abwertungsversuche auf Kosten anderer vermeiden muss. Demnach müsste der IWF einen Waffenstillstand durchsetzen.
Dieser Standpunkt aber würde eine fundamentale Asymmetrie zwischen Industrie- und Schwellenländern übersehen. Den Schätzungen des Währungsfonds nach wird die reale Wirtschaftsleistung der Industrieländer dieses Jahr immer noch unter dem Niveau von 2007 liegen, während sie in den Schwellenländern 16 Prozent darüber liegen wird. Die hochentwickelten Länder kämpfen weiterhin mit den Verwüstungen, die das Krisengeschehen von 2008 angerichtet hat. Das gilt vor allem für eine schwache Komsumneigung der Haushalte und hohe staatliche Schulden. Den Schwellenländern sind diese Probleme dagegen fremd.
In jeder vernünftigen wirtschaftlichen Analyse erfordert eine so starke Asymmetrie, dass die relativen Preise angepasst werden. Die relativen Preise der Güter aus den Industriestaaten (man kann auch sagen: der reale Wechselkurs) müssen sinken im Vergleich zu den Schwellen- und Rohstoffländern, um einen Ausgleich für die fehlende Binnennachfrage zu schaffen.
Das wird auch geschehen. Nur: Wenn die Währungsrelationen sich nicht ändern, werden die Industriestaaten eine lange Phase sehr niedriger Inflation oder sogar der Deflation durchmachen müssen. Ihre Last ist dann sehr viel schwerer zu tragen. Gleichzeitig werden die Schwellenländer Inflation erleiden, weil Kapital zu ihnen strömen wird, die Währungsreserven und die Geldmenge anschwellen werden und letzten Endes die Preise steigen.
Für beide Seiten wäre es viel besser, wenn die Anpassung über die nominalen Wechselkurse geschähe. Dann könnten sowohl die Deflation im Norden als auch die Inflation im Süden in Schach gehalten werden.
Das aber geschieht nicht. Im Vergleich zu Juli 2007, als die Krise ausbrach, haben sich die Wechselkurse zwischen Industrie- und Schwellenländern nur sehr wenig verändert. Die notwendige Anpassung wird blockiert. Warum, ist leicht zu verstehen. Für jeden Notenbanker ist die entscheidende Frage, welche Auswirkungen sich für die eigene Währung und für die eigene Zahlungsbilanz ergibt, nicht jedoch, wie sich Anpassungen auf die Gruppe der Schwellenländer auswirken. Brasilien will nicht gegenüber den anderen lateinamerikanischen Staaten aufwerten, Thailand will nicht gegenüber anderen asiatischen Staaten aufwerten, und niemand will gegenüber China aufwerten. China befürchtet, dass eine Höherbewertung des Yuans eine Abwanderung lohnintensiver Betriebe nach Bangladesch oder Vietnam zur Folge hat. Deshalb widersetzt sich jedes Land aus eigenen Gründen einer Aufwertung. Das ist ein typisches „Collective action“-Problem: Wandel, der im gemeinsamen Interesse liegt, wird durch einen Mangel an Koordination verhindert.
Diese Analyse wirft ein neues Licht auf die traditionelle Kontroverse über Chinas Wechselkurspolitik. Nicht die bilateralen Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA müssen zuerst gelöst werden, sondern die globalen makroökonomischen Probleme. Zum Zweiten muss das „Collective action“-Problem überwunden werden. Und drittens gibt es auch bei den Industriestaaten Abstimmungsprobleme.
China spielt die Schlüsselrolle in einem globalen Abstimmungsprozess, der nicht nur die USA betrifft, sondern viele Entwicklungsländer. Das wird zunehmend erkannt, und deswegen kritisieren einige Schwellenländer China auch immer heftiger. Internationale Organisationen sind gegründet worden, um das Problem kollektiven Handelns zu lösen. Deshalb sollte der Internationale Währungsfonds jetzt die Führungsrolle übernehmen, eine objektive Einschätzung vornehmen, einen Rahmen für die Diskussionen setzen und eine Lösung ermöglichen. Der IWF kann aber Regierungen nicht ersetzen: Sie müssen Entscheidungen treffen.

A version of this op-ed was published by Handelsblatt.


Republishing and referencing

Bruegel considers itself a public good and takes no institutional standpoint. Anyone is free to republish and/or quote this post without prior consent. Please provide a full reference, clearly stating Bruegel and the relevant author as the source, and include a prominent hyperlink to the original post.

Read article More by this author
 

Opinion

Why China should fear the EU's carbon border tax

Expect Beijing to soon start lobbying against the proposal.

By: Alicia García-Herrero Topic: Energy & Climate, Global Economics & Governance Date: July 26, 2021
Read article More on this topic
 

Blog Post

A world divided: global vaccine trade and production

COVID-19 has reinforced traditional vaccine production patterns, but the global vaccine trade has changed considerably.

By: Lionel Guetta-Jeanrenaud, Niclas Poitiers and Reinhilde Veugelers Topic: Global Economics & Governance Date: July 20, 2021
Read article More on this topic
 

Opinion

Increasing the global supply of essential medical supplies: Time for Europe to step up its global leadership

Europe has already made a significant financial contribution to beating the pandemic, now it has the oppurtunity and moral responsibility to do more.

By: Anne Bucher and Guntram B. Wolff Topic: Global Economics & Governance Date: July 19, 2021
Read article More by this author
 

Blog Post

The European Union’s carbon border mechanism and the WTO

To avoid any backlash, the European Union should work with other World Trade Organisation members to define basic principles of carbon border adjustment mechanisms.

By: André Sapir Topic: Energy & Climate, Global Economics & Governance Date: July 19, 2021
Read about event More on this topic
 

Upcoming Event

Sep
1
11:00

Resolving today’s global health crisis, and avoiding future pandemics

Bruegel Annual Meetings, Day 1- How do we exit the COVID-19 pandemic and ensure the world of tomorrow is less vulnerable to future pandemics?

Speakers: Jeremy Farrar, Amanda Glassman, Sri Mulyani Indrawati, Tharman Shanmugaratnam and Guntram B. Wolff Topic: Global Economics & Governance Location: Bruegel, Rue de la Charité 33, 1210 Brussels
Read about event More on this topic
 

Upcoming Event

Sep
1
15:00

The future of EU-Africa relations

Bruegel Annual Meetings, Day 1 - A discussion of the state of play and outlook of EU-Africa relations.

Speakers: Masood Ahmed, Amadou Hott, André Sapir, Vera Songwe and Jutta Urpilainen Topic: Global Economics & Governance Location: Bruegel, Rue de la Charité 33, 1210 Brussels
Read about event More on this topic
 

Upcoming Event

Sep
2
11:15

Towards a new global trade regime: reform of the WTO

Bruegel Annual Meetings, Day 2 - the World Trade Organisation has been going through trying times, a phenomenon amplified by the pandemic. Why are we headed towards a new global trade regime? And what lies ahead for the WTO?

Speakers: Ngozi Okonjo-Iweala and Guntram B. Wolff Topic: Global Economics & Governance Location: Palais des Academies, Rue Ducale 1
Read about event More on this topic
 

Upcoming Event

Sep
2
16:00

Navigating a more polarised world: policy implications

Bruegel Annual Meetings, Day 2 - Are we entering a new age in the relationship between international economics and global politics? Is Europe well-equipped for this new world?

Speakers: Hélène Rey, Jean Pisani-Ferry, Adam Tooze and Sabine Weyand Topic: Global Economics & Governance Location: Palais des Academies, Rue Ducale 1
Read article Download PDF
 

External Publication

Building the Road to Greener Pastures

How the G20 can support the recovery with sustainable local infrastructure investment.

By: Mia Hoffmann, Ben McWilliams and Niclas Poitiers Topic: Global Economics & Governance, Testimonies Date: July 15, 2021
Read article More on this topic More by this author
 

Opinion

Could the RMB dislodge the dollar as a reserve currency?

The dollar remains the world’s largest reserve currency, but it is facing both domestic and external risks.

By: Alicia García-Herrero Topic: Global Economics & Governance Date: July 14, 2021
Read about event
 

Past Event

Past Event

Financing for Pandemic Preparedness and Response

How can we better prepare for future pandemics? In this event, co-hosted by the Center for Global Development and Bruegel think tanks, speakers will present "A Global Deal for Our Pandemic Age", a report of the G20 High Level Independent Panel on Financing the Global Commons for Pandemic Preparedness and Response.

Speakers: Masood Ahmed, Victor J. Dzau, Amanda Glassman and Lawrence H. Summers Topic: Finance & Financial Regulation, Global Economics & Governance Location: Bruegel, Rue de la Charité 33, 1210 Brussels Date: July 14, 2021
Read article More on this topic More by this author
 

Podcast

Podcast

What should public spending look like?

What should we do about the increase in public spending due to COVID-19? Bruegel Director Guntram Wolff and Former Deputy Secretary-General of OECD Ludger Schuknecht discuss.

By: The Sound of Economics Topic: Global Economics & Governance Date: July 14, 2021
Load more posts